Michelle Medenblik (rechts) und Cornelia Renz Michelle Medenblik (rechts) und Cornelia Renz

 

Sonntag am Shabbes ist ein gemeinsames Projekt von Michelle Medenblik und Cornelia Renz. Renz ist eine deutsche Künstlerin mit Schwerpunkt Malerei/Zeichnung, die zurzeit in Israel lebt. Medenblik ist eine israelische Künstlerin mit Schwerpunkt Fotografie.

 

Ziel des Projekts ist, an Wochenenden in privaten Wohnungen in Tel Aviv, Jerusalem und Berlin Ausstellungen zu organisieren und dadurch eine Plattform zu schaffen für Kunst, die sich mit den aktuellen und historischen deutsch-jüdischen Beziehungen beschäftigt. Dadurch wollen wir den Dialog zwischen Israel und Deutschland, den Deutschen und den Israelis vertiefen.

 

Wir laden dazu israelische Künstler_innen ein, die sich in ihrem Werk mit der Beziehung zu Deutschland beschäftigen, deutsche Künstler_innen, deren Arbeiten die Beziehungen zu Israel aufgreifen und Künstler_innen, die sich mit dem Wechselspiel dieser Beziehungen beschäftigen. Junge Künstler_innen sind ebenso willkommen wie etablierte.

 

Sonntag am Shabbes ist angeregt von mehreren Projekten, die in den letzten Jahren in Berlin entstanden. Ihnen ist gemeinsam, dass sie Kunst in einem privaten Rahmen zeigen. Dass eine Beteiligung an diesen Ausstellungsprojekten mittlerweile ebenso geschätzt wird wie eine Beteiligung an Ausstellungen in professionellen Galerien, zeugt von einer geänderten Haltung zu der Frage nach dem Zweck des Ausstellens von Kunst. Durch und mit diesen Projekten wird künstlerische Zusammenarbeit initiiert und realisiert, die Künstler_innen erobern ihre Autonomie zurück, indem sie selbstinitiativ Projekte und Ausstellungen organisieren, sie vernetzen sich und diskutieren (kultur)politische und soziale Fragen. Dadurch werden die kommerziellen Aspekte des Ausstellens zurückgedrängt und die Konzentration liegt auf  dem Wert der künstlerischen Arbeit an sich.

 

Sonntag ist eines dieser Projekte, bei dem April Gertler und Adrian Schiesser, zwei Berliner Künstler, Künstlerkollegen einladen, in wechselnden privaten Wohnungen auszustellen. Diese Ausstellungen sind öffentlich. Die beiden Gastgeber backen den Lieblingskuchen des eingeladenen Künstlers und servieren dazu Kaffee und Tee. So schaffen sie die typische Atmosphäre eines Kaffeeklatschs am Sonntag, jenen Momenten des wohligen Ausspannens, die zu geselligem Austausch und freundschaftlichen Gesprächen einladen.

 

Das Berliner Projekt hat einen Vorläufer mit der Performance-Aktion des Künstlers Konrad Lueg (Fischer) im Jahr 1966. Der Künstler lud seine Freunde und Verwandte in eine Düsseldorfer Galerie zu Kaffee und Kuchen, und stellte so die ursprüngliche Beziehung zwischen Kunst und Wohnen wieder her. Kunst in Wohnräumen auszustellen war gängige Praxis von der Renaissance mit ihren Auftragsarbeiten bis zu den Kunstsalons des späten 19. Jahrhunderts. Diese wurde von dem Künstler wieder zum Leben erweckt, und er ermöglichte so erneut die Integration von Kunst mit täglichem Leben.

 

Sonntag am Shabbes möchte die Art der Annäherung von Kunst und Alltag dieser Berliner Ausstellungen nach Israel importieren und vor Ort eine eigene Version ins Leben rufen, die geleitet ist von der deutsch-israelische Beziehung. Da diese Form der Ausstellungen Kunst eng mit dem ausgewählten Ort verknüpft und einen unvermittelten Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachter, Gastgeber und Gästen erlaubt, hoffen wir einen Dialog zu fördern, der die israelische und die deutsche Kultur näher zusammenführt.

 

Wir freuen uns über jeden und jede, der und die Gastgeber dieses interkulturellen Projekts werden will, unabhängig von ihrem sozialem und ökonomischem Status, Ort und Lage der Apartments oder Beschaffenheit der Wohnung.  Die privaten Räume der Gastgeber werden einem Publikum geöffnet und zu einem temporären Ausstellungsort, der auf alltägliches Leben verweist. Jede, jeder, der und die an Kunst interessiert ist und sich für eine bestimmte Zeit auf ein Wechselspiel mit ihr einlassen möchte, ist willkommen.

 

 

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© Cornelia Renz